Freitag, 14. Mai 2010

Wieder einmal eine geheimnisvolle, faszinierende Welt

18. Januar. Wieder durch die weiße Landschaft hinaus in die Region. Das Nordwestradio möchte einen Beitrag über die Leeraner Orgelbaufirma Ahrend. Die baut demnächst eine Orgel für eine Kirche in Worpswede, die den guten alten Barock-Orgeln nachempfunden sein soll.


Ich habe den Namen der Orgelbaufirma Ahrend noch nie gehört. Ein Blick ins Internet verrät: Der Betrieb, vor kurzem vom Vater auf den Sohn übergegangen, ist international höchst renommiert und gilt als hochqualifizierter Spezialist für diese Art von Aufträgen.


Ich finde das kleine Unternehmen in einem Gewerbegebiet bei Leer und tauche in eine nie geahnte Vielfalt ein. Hier treffen sich Kunst und Handwerk, Musik und Tischlerei, absolutes Gehör und Feinmechanik. Unglaublich, was ein Orgelbauer wissen und können muss. Hier ein paar kleine Textauszüge aus dem Manuskript, das später am Tag an meinem Aschhauser Arbeitsplatz entsteht:


"Bevor der Neubau der Worpsweder Orgel beginnt, arbeiten Ahrend und sein knappes Dutzend Mitarbeiter noch an einem Restaurations-Auftrag. Ein Blick in die Werkstatt offenbart, wie komplex das Orgelbauhandwerk ist: Meterlange hölzerne Subbasspfeifen sind neu zu verleimen, gleichzeitig werden winzigste Metall-Ösen für die Windladen-Mechanik entrostet. Klar, dass zu alledem eine ganz eigene Fachsprache gehört. ... Lieblich, derb, scharf, süß, ölig - wenn es darum geht, Klangfarben zu beschreiben, nähert sich das Vokabular dem der Weinkenner. Die endgültige Klangfarbe jeder Pfeife, jedes Registers herzustellen, das ist die Kunst der Intonation, und da ist Hendrik Ahrend, ebenso wie schon sein Vater, der absolute Spezialist."


Orgelbauer sind, wie ich seitdem weiß, alles andere als weltfremden Fachidioten. Der junge Chef vereint Musikalität, Musikgeschichte, Kompositionslehre, Spieltechnik, mehrere Handwerke (Holz, Metall, Feinmechanik...), und als ich mich gerade verabschieden will, nimmt er einen Anruf in perfektem amerikanischem Englisch an: Er hat eine Zeit in den Staaten gelebt und gearbeitet.


Randvoll mit Eindrücken fahre ich zum Texten und zum Schneiden der Originaltöne nach Haus.

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